„ICH BIN KEIN SENDER. ICH STRAHLE NICHTS AUS“
Künstlerhaus Stuttgart (2006)

Das „Gespräch am E-Kamin“ mit Kai Bauer (Stuttgart) und Enno Schmidt (Frankfurt) thematisiert die Funktion und Funktionalisierung künstlerischer Rollenmodelle in der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Ausgangspunkt ist dabei die These, dass die Existenzweise des Künstlers als Projektionsfläche für autonome Lebensentwürfe und selbstbestimmte Produktionsformen eine problematische Denkfigur geworden ist, vor allem in der aktuellen Situation, in der sich das „Ende der Arbeitsgesellschaft“ immer deutlicher abzeichnet. Sie verspricht einerseits die Einlösung der modernen Utopie eines autonomen Individuums und offenbart zugleich die Defizite dieses Konzeptes im Zerfallsprozess gesellschaftlicher Bezogenheit.
Diese Problematik zeigt sich auch konkret in den Funktionalisierungen, die dieses Konzept derzeit erlebt: Die Künstlerexistenz soll nicht nur als Modellfall für das out-sourcing von Arbeitsverhältnissen dienen, nach den Vorschlägen der „Hartz-Komission“ sollten Künstler darüberhinaus auch funktionalisiert werden als Animateure bei der „Künstlerischen Qualifizierung von Langzeit-Arbeitslosen“, bei der „Betreuung von Selbsthilfegruppen“, in „Auftritten bei Benefizveranstaltungen zugunsten des Arbeitsmarktes“ oder bei
„Patenschaften für Beschäftigungs-Initiativen“.
Diesen Begehrlichkeiten wird in der Installation im Künstlerhaus Stuttgart die Vision von Kasimir Malevich gegenübergestellt, der schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die „Faulheit als tatsächliche Wahrheit der Menschheit“ erkannt und mit seinen Ideen eine andere Lösung des Arbeits-Problemes vorausgedacht
hat: Die Trennung von Arbeit und Einkommen, verwirklicht im Recht auf ein bedingungsloses  Grundeinkommen.
Auf einer „Ruhezone“ ist ein Monitor plaziert, der ein schwarzes Dauer-Bild zeigt, dazu liest ein Sprecher mit russischem Akzent den Text „ Die Faulheit als tatsächliche Wahrheit der Menschheit“ von Malevich.
Eine Overhead-Projektion an anderer Stelle präsentiert die begehrlichen Thesen des Textes der „Hartz-Komission“ , überschattet von Michelangelos David, der davor in die Knie gegangen ist. Eine „Zeichnung“ mit Markierungsband durchspannt den Raum und ragt wie ein Sprungbrett aus dem Fenster, sie zitiert die Silhouette des Stuttgarter Fensehturmes .

Copyright: Andreas Mayer-Brennenstuhl. created with WIX.COM

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