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Bibliografie Der
Situation auf der Spur autonom
- souverän - neutralgrau Autonomie
und Widerspruch
(Interview) Einer sei des anderen
User Vom Zuschauer zum Akteur
Intervention . Subversion .
Kooperation . Partizipation Texte
Von der Utopie einer kooperativen
Kontextproduktion Das Zeichen
bezeichnen, das
Denken bedenken KulturGestaltung
Wie Wasser in der hohlen Hand Interkulturelle
Werkstatt Einige
Anmerkungen zur Kunst
in der Kunsttherapie Welche
Kunst meinen wir
eigentlich [...] Das
Andere der Bilder |
Von der Utopie einer kooperativen
Kontextproduktion
Oder: Ist die Oberwelt schon die Beste aller möglichen
Welten ?
Irgendwo - freischwebend im magischen Dreieck zwischen Erkenntnistheorie,
Dienstleistung und Entertainment - bewegt sich nach wie vor,
nimmermüde, unerbittlich auf unbekanntem Kurs, der künstliche
Satellit "Oberwelt" am Nachthimmel der "selbstorganisierten
Kontextproduktion". Was dieser Kurs nun sei, was immer
wir unter "kooperativer Kontextproduktion" zu verstehen
haben, ist müßig zu klären solange die Praxis
sich bewährt. Nur soviel vorweg:
Der Bedarf an "Zeigemöglichkeiten" für konzeptuell
orientierte Kunstpraxis ist virulent, gerade da wo es nichts
zu zeigen gibt. Die Oberweltler dabei immer interessiert an
allem was sich als helle Spur am Nachthimmel abzeichnet, gleißendes
Sonnenlicht reflektierend auf futuristisch-metallischen Satellitenhäuten.
Fremde Energie auf ausgefalteten Sonnensegeln einzufangen und
für die eigene Energieversorgung zu nutzen ist der eigentliche
Grund des Reflektierens all dieser Satelliten, die eigene Sichtbarkeit
für externe Beobachter ist also nur ein Nebeneffekt: Angenehm,
weil zur Ortung und Kontaktaufnahme nützlich, unerwünscht
im militärischen Sicherheitsbereich unter den Aspekten
"Spionage" und "Angreifbarkeit". Wie dem
auch sei, Reflexivität ist "basic" im Satellitendasein.
Nun aber genauer. Eine Kontextproduktion, die sich im oberweltlerischen
Sinne in der Grauzone zwischen dienstleistungsorientierter Vermittlungspraxis
und eigenen, unleugbar vorhandenen Kunstpraxis-Ambitionen bewegt,
transportiert neben ihren immanentenTheoriepositionen immer
auch immanente Widersprüche. Und das ist gut so, da dies
eine weitere Treibstoff-Resource derartiger Satelliten ist.
Oberweltler sind auch Kunstpraktiker (mehrheitlich zumindest,
genaue Zahlen hat noch niemand ermitteln wollen). Woher sonst
sollte eigentlich die notwendige (hohe) Motivation kommen, ein
derartiges Unternehmen mit derart exorbitanten Selbstausbeutungsenergien
auszustatten? Man muß sich seiner Sache schon sicher oder
zumindest von ihr ziemlich überzeugt sein, um hier im Orbit
auf Kurs zu bleiben. Einer konzeptuell orientierten Kunstpraxis
ein qualitativ anspruchvolles öffentliches Forum zu bieten
ist zwar ein logisches Anliegen, wenn man selbst, aus der eigenen
künstlerischen Praxis, den quantitaven Mangel an derartigen
Orten kennt. Subjektive Betroffenheit dürfte also ein wesentlicher
Motivationsgrund für viele Beteiligte der oberweltlerischen
Aktivitäten (gewesen) sein. Das ist ehrenwert, genügt
auf die Dauer aber nicht. Vor allem wenn man beobachtet, wie
machesmal im weiteren Umfeld der "selbstorganisierten Off-Galerie
-Szene" bei genaurem Hinschauen eine "zeig-ich-dich-zeigst-du
mich- Mentalität" sich hinter dem Dienstleistungs-Engagement
verbirgt, schmeckt die Suppe nicht mehr. Da wird das "sich-gegenseitig-einladen"
schnell zu einer schalen Angelegenheit und die Beteiligten interessieren
sich schon bald nicht einmal mehr für sich selbst vor lauter
Langeweile im selbstreferentielllen System. Wer hier also weitermacht,
wie die Oberweltler, hat andere Batterien im Gepäck.
Zwei Aspekte, die im Begriff "kooperative Kontextproduktion"
miteinander verbunden sind, will ich hier ansatzsweise aus meiner
persönlichen Perspektive etwas näher im Einzelnen
beleuchten. Da ist zum einen der Aspekt der "Kooperation",
im 20ten Jahrhundert wäre in diesem Zusammenhang vielleicht
sogar der Topos "kollektiv" gefallen. "Künstlergruppen.
Von der Utopie einer kollektiven Kunst", so lautete das
Titel-Thema der "Kunstforum"-Augabe 116 vom Dez. 1991,
lang ist es her. Worüber sich die Autoren im Tenor einig
waren: Kunst-Produktion und Kollektivismus vertragen sich nicht,
bei aller Liebe zum Kollektiv (und mancher Kunstforum-Autor
mag hier in den 90ern verschämt und mit einem lachenden
und einem weinenden Auge auf seine Jugenderfahrungen als Alt-68er
und auf seine damaligen Ideale zurückgeblickt haben). Trotz
aller theoretisch geleisteten Kritik am romantischen Geniebegriff
und an seinem individuellen Künstlerheros, an der individullen
Herkunft der genialen Idee aus einem personifizierten Künstlerhirn
gibt es nach wie vor keine Zweifel. Obwohl im ökonomischen
und wissenschaftlichen Sektor Kreativität eigentlich nur
noch als Ergebnis einer Teamarbeit praktiziert wird, im Kunstsektor
kommt immer noch alles aus der Tiefe eines sagenumwobenen Individuums.
Dieses eigentümliche Festhalten an einem Mythos, der im
Zeitalter der permanenten Informationsvernetzung zunehmend skuril
und peinlich wirkt, hat natürlich in erster Linie ökonomische
Gründe, daneben dürfte der Kompensationsaspekt dieser
Ideologie heute auch eine tragende gesellschaftliche Funktion
haben.
Der aktuellen Kunstpraxis-Realität ist mit Begriffen wie
"kollektiv" natürlich nicht mehr beizukommen,
auch was unter dem Begriff "Künstlergruppe" zu
subsumieren sei, bleibt in den 90ern schon rätselhaft.
Wie sich die Kunstforum-Macher gar zur Frage nach einem utopischen
Potential von imaginären Künstlerkollektiven versteigen
konnten, bleibt Betriebsgeheimnis. Ein Aspekt, der bei dieser
Begriffswahl überhaupt nicht ins Blickfeld der Autoren
rückte, ist jedoch der der "Kooperation". Künstlergruppen,
die sich als verschworenes Kollektiv definieren zum Zwecke einer
vermeintlich gemeinsam besser zu leistenden Durchsetzung einer
neuen "Stilrichtung" oder einer gemeinsamen Ideologie,
dürften heute selbst in abgeschirmtesten Informations-Provinzen
nicht mehr zu finden sein, was es heute jedoch auf breiter Basis
gibt, sind Informations-Netzwerke und Vernetzungen von Individuen
und Institutionen, die als souveräne Partner bei ihren
Projekten miteinander kooperieren. Wie das Bild vom genialen
(Maler-)Autisten mit seinem dialektischen Gegenbild des "Kollektivs"
unaufhebbar verbunden ist, so eng verzahnt ist die Figur des
"Medien-basierten Kommunikationsproduzenten" mit dem
Begriff des Netzwerks und der Kooperation.
Im Begriff der Kooperation dürfte auch eine wesentliche
Differenz zur Figur des "Künstler-Kurators" liegen,
der in den 90ern als Reaktion auf manche Ratlosigkeit auftauchte,
nicht zuletzt als eine mögliche Ausgeburt von nachhaltig
praktiziertem "cross-over". Als "Seitenwechsler"
im Betriebssystem Kunst hat er unleugbar Vorteile gegenüber
manchem Kunsthistoriker oder Betriebswirtschaftler mit Zusatzqualifikation
oder Nebenfachstudium. Bei manchen Vertretern dieser (im Grunde
nicht schlechten) Spezies beschleicht mich jedoch gelegentlich
der Verdacht, hier hat jemand die Rettung aus seiner künstlerischen
Ratlosigkeit bzgl. einer möglichen eigenen Werkproduktivität
gesucht, indem er Themenreihen, die aus dem Hut gezaubert wurden
oder Groß-Ausstellungen, deren Themata an den Haaren herbeigezogen
sind, kreiert und mit beliebig auswechselbaren Exponaten seiner
ehemaligen Akademie-KommilitonInnen bestückt.
Kontextproduktion sozusagen als Meta-Werk-Produktion. Frei nach
dem Motto: Was die anderen sagen, habe ich schon lange gesagt
(oder sagen wollen) und deshalb sag ich`s jetzt laut. Diese
evolutionären Ausrutscher des Betriebssystems Kunst wären
damit peinlicherweise eigentlich die wahren Nachfolger der aussterbenden
Spezies "Künstlergenie". Das heimliche Schielen
gescheiterter Künstler-Existenzen auf Ersatz-Profilierung
durch ein mehr oder weniger großgedrucktes "CURATED
BY" auf der Einladungskarte als letze Bastion der bürgerlich-romantischen
Künstler-Sozialisation.
Zugegeben, das sind Verdachtsmomente ohne Beweiskraft, die mich
hier manchmal beschleichen, klare Verhältnisse sind mir
dennoch lieber. Und da ist ein kooperatives und anonymes Zusammen-
wirken von professionellen Künstlern zum erklärten
Zwecke einer gemeinsamen Kontext-Produktion aus meiner Sicht
die sauberere Lösung. Bedürfnis, im kooperativen Diskurs
gefundene Themen als geniale Intuition eines singulären
Gehirns zu verkaufen, ist gering und was das Wesentliche ist:
Die so erarbeiteten Themen haben meist einen profunderen "Sondierungscharakter"
hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz als die aus subjektiver
Sicht, sei diese auch noch so "genial" . Ohne (zweifellos
vorhandene) Eitelkeiten anheizen zu wollen, so meine ich sogar
beobachten zu können, daß in derartigen kooperativen
Diskurszusammenhängen des öfteren Themen in einem
sehr frühen Stadium als virulent entdeckt werden, die dann
sehr schnell von externen Beobachtern aufgegriffen und als "individuelle
Intuition" vermarktet werden. Sei`s drum, das ist wohl
der Gang der Dinge und die Herangehensweisen sollen hier auch
nicht gegeneinander ausgespielt werden. Jedenfalls ist aus meiner
persönlichen Erfahrung mit dieser kooperativen Herangehensweise
und seinem inhärenten Potential einer "gegenseitigen
Befruchtung" ein hoher Grad an "erkenntnistheoretischer
Befriedigung " verbunden und, um im Bild zu bleiben, ich
spreche hier tatsächlich von einer Befriedigungs-Differenz,
die in etwa der zwischen Kopulation und Selbstbefriedigung entspricht
(schließlich beginnen die Begriffe Kooperation und Kopulation
nicht zufällig mit derselben Vorsilbe) Nach soviel Vergnügen
zurück zum Thema.
Der andere Aspekt, den ich hier ins rechte Licht der Reflexion
rücken will, ist der der gegenseitigen Befruchtung von
kuratorischer Konzeption und individueller "Werkproduktion".
Was meine ich damit? Ganz einfach: Es ist einer aktuellen Kunstpraxis
heute von der Sache her kaum noch möglich, auf fertige
Vermittlungsformen zurückzugreifen, ohne sich selbst in
ihrem eigentlichen Gehalt zu demontieren. Wer sich da auf den
"white cube" verlassen will, der ist verlassen.
Vermittlungsformen, - von der Ortswahl (geht`s eigentlich nicht
mehr ohne "in situ"?)über die Einladungsform
(d.h. Zielgruppenwahl), die Eröffnungsform (Party und Ambient-Club
als Dauerbrenner läuft auch nicht mehr) über das eigentliche
"event" bis hin zur "Diskurs-Animation"
(welcher Kritiker darf heute schreiben?), fertig abzurufende
Vermittlungsformen gibt es nicht mehr, alles ist machbar und
muss gemacht werden. Die Institutionskritik der 90er Jahre zeitigt
Früchte, und das heißt : Arbeit. Zwar gibt es da
auch im institutionellen Kontext einen fatalen Hang zum "fast-food"
und zu vorgefertigten Menüs zu konstatieren, alles in allem
sind die Künstler jedoch heute immer mehr darauf angewiesen
in Kooperation mit Kuratoren diese Vermittlungsformen individuell
und spezifisch als wesentlichen Bestandteil ihrer Arbeit mitzuliefern.
Daß dies im Kontext "selbstorganisierter Kunsträume"
selbstverständliche Praxis ist, ist klar. Was bei den frühen
Vorläufern heutiger selbstorganisierter Kunsträume
in den 60/70er Jahren noch in einer Mischung aus Idealismus
und nicht zu ändernder Notwendigkeit notgedrungen an Kontext-Arbeit
geleistet werden mußte, hat sich mittlerweile längst
zum zentralen Bestand künstlerischer Praxis gemausert.
In der Kunstpraxis heute ist die Werkproduktion von der Kontextproduktion
eigentlich kaum mehr zu trennen. Insofern ist es eigentlich
eine naheliegende Sache, zwischen den Funktionen "kuratieren"
und "produzieren" gelegentlich zu wechseln. Erfahrungen
auf der einen Seite helfen bei Kooperationen, bei der man auf
der anderen Seite steht. Das macht nicht nur die Zusammenarbeit
erfreulicher, sondern auch das was dabei herauskommen soll.
Und darauf kommt es letzlich an.
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