Das Gespräch am „E-Kamin“ mit
Kai Bauer (Stuttgart) und Enno Schmidt ( Frankfurt) thematisiert
die Funktion und Funktionalisierung künstlerischer Rollenmodelle
in der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Ausgangspunkt ist dabei die These, dass die Existenzweise des
Künstlers als Projektionsfläche für autonome
Lebensentwürfe und selbstbestimmte Produktionsformen eine
problematische Denkfigur geworden ist, vor allem in der aktuellen
Situation, in der sich das „Ende der Arbeitsgesellschaft“
immer deutlicher abzeichnet. Sie verspricht einerseits die Einlösung
der modernen Utopie eines autonomen Individuums und offenbart
zugleich die Defizite dieses Konzeptes im Zerfallsprozess gesellschaftlicher
Bezogenheit.
Diese Problematik zeigt sich auch konkret in den Funktionalisierungen,
die dieses Konzept derzeit erlebt: Die Künstlerexistenz
soll nicht nur als Modellfall für das out-sourcing von
Arbeitsverhältnissen dienen, nach den Vorschlägen
der „Hartz-Komission“ sollten Künstler darüberhinaus
auch funktionalisiert werden als Animateure bei der „Künstlerischen
Qualifizierung von Langzeit-Arbeitslosen“, bei der „Betreuung
von Selbsthilfegruppen“, in „Auftritten bei Benefizveranstaltungen
zugunsten des Arbeitsmarktes“ oder bei „Patenschaften
für Beschäftigungs-Initiativen“.
Diesen Begehrlichkeiten wird in der Installation im Künstlerhaus
Stuttgart die Vision von Kasimir Malevich gegenübergestellt,
der schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die „Faulheit
als tatsächliche Wahrheit der Menschheit“ erkannt
und mit seinen Ideen eine andere Lösung des Arbeits-Problemes
vorausgedacht hat: Die Trennung von Arbeit und Einkommen, verwirklicht
im Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Auf einer „Ruhezone“ ist ein Monitor plaziert, der
ein schwarzes Dauer-Bild zeigt, dazu liest ein Sprecher mit
russischem Akzent den Text „ Die Faulheit als tatsächliche
Wahrheit der Menschheit“ von Malewich.
Eine Overhead-Projektion an anderer Stelle präsentiert
die begehrlichen Thesen des Textes der „Hartz-Komission“
, überschattet von Michelangelos David, der davor in die
Knie gegangen ist.
Eine „Zeichnung“ mit Markierungsband durchspannt
den Raum und ragt wie ein Sprungbrett aus dem Fenster, sie zitiert
die Silhouette des Stuttgarter Fensehturmes . |