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Hilfskunst

Schulungskurs mit Multi-Media-Präsentation im „ Erste-Hilfe“ -Ambiente
Kunstraum OBERWELT, Stuttgart (1997)

 
     
 
     
Die zweckentfremdente Nutzung eines Galerie-Raumes als Schulungsraum für Erste-Hilfe -Kurse und dessen Ausstattung mit entsprechendem Schulungsmaterial erscheint auf den ersten Blick widersinnig. Anlass zu dieser Inszenierung war die Beschäftigung des Künstlers mit Texten der frühen Moderne und deren gesellschaftlich-utopisches Anliegen, in denen Kunst eine wichtige Rolle spielte. Kunst als „Heilsbotschaft“ wurde in dieser Inszenierung sowohl mit Wissenschaft und Technologie als neue Varianten desselben Anliegens kurzgeschlossen als auch mit esoterischen Traditionen. Inhalt des Vortrages ist eine fiktive wissenschaftliche Entdeckung, die unter dem Titel: „Schulungsprogramm auf bildimaginativer Grundlage zur Optimierung situationsadäquaten Verhaltens in Notsituationen“ präsentiert wurde.

Als Ausgangsmaterial für den angebotenen SCHULUNGSKURS dienten Bilder, die angeblich mittels Computer- Verfahren direkt Hirnströme in Bilder übersetzen. Die Bilder konnten in einem PC-Programm angewählt werden und mit Katastrophenphotos aus aktuellen Zeitungsberichten kombiniert werden, Besucher stellten sich dabei freiwillig als Testpersonen zur Verfügung . Der Vortrag untermauerte mit Ausschnitten aus wissenschaftlichen Filmen die Behauptung, über die visuelle Verarbeitung von Bildern im Gehirn könnte eine direktive Beeinflussung emotionaler Gestimmtheit erzielt werden und damit eine Handlungs-Optimierung stattfinden. Tatsächlich handelte es sich beim Bildmaterial um so genannte „Gedankenbilder“ von medial veranlagten Personen, die um 1900 von Charles Leadbeater veröffentlicht wurden. Das Bildmaterial kann damit einerseits als eine Vorwegnahme ästhetischer Standarts der frühen malerischen Moderne betrachtet werden, durch den „Kurzschluss“ mit psychologisch-therapeutischen Anliegen wird zugleich ein inhaltlicher Bezug zu utopischen Heils-Ambitionen der damaligen Kunstdiskurse hergestellt.

Der fiktive Schulungskurs wurde eingebettet in einen Komplex realer Erste-Hilfe- Kurse, der Ausstellungsraum mit entsprechenden Schulungs-Materialien aus dem Fundus einer Rettungs-Organisation ausgestattet.